Momentaufnahmen eines Denkmals
- erzählt von Andreas Donati
Chronik des
Reichstagsgebäudes
Der Reichstag
Der Reichstag bestand seit dem 15. Jahrhundert aus drei Kollegien, den
Kurfürsten, den
Fürsten und den Reichsstädten und ab 1663 aus einem ständigen
Gesandtenkongress.
Während des Deutschen Reiches von 1871-1918 bildete der Reichstag die
parlamentarische Volksvertretung, die gemeinsam mit dem Bundesrat die
Gesetzgebung besorgte. Auch in der Weimarer Republik (1919-1933 ) wurde der
Begriff "Reichstag" für das Parlament weitergeführt.
1866
Der Deutsche Bund wird aufgelöst. Österreich verlässt den deutschen
Staatenbund und
akzeptiert die Schaffung des Norddeutschen Bundes unter Preußens
Federführung.
20.2.1867
Eröffnung des verfassungsgebenden Reichstags des Norddeutschen Bundes
18.1.1871
Noch während des Krieges zwischen dem Norddeutschen Bund und der
süddeutschen Staaten gegen Frankreich, wurde im Spiegelsaal des Schlosses in
Versailles die Proklamation Wilhelms I. vom König von Preußen zum Kaiser des
Deutschen Reiches vollzogen. Die Einheit des Deutschen Reiches war damit
hergestellt.
3.3.1871
Erste Reichstagswahlen nach Gründung des Deutschen Reiches mit
Parlamentssitz in der Leipziger Straße. Es wurden 382 Abgeordnete gewählt.
Am 21.3.1871 tritt der neu gewählte Reichstag in Berlin zusammen.
29.3.1871
Debatte über eine neue Tagesstätte -
Neubau eines monumentalen Gebäudes (Architektenverband) oder Um- und Ausbau
in der Wilhelmstraße (Bismarck)
19.4.1871
Beschluss zur Gründung einer Baukommission
24.6.-16.10.1871
Errichtung eines provisorischen Parlamentsgebäudes in der Leipziger Straße
4;
auf Anordnung des Reichskanzlers Bismarck
16.10.1871
Erste Sitzung des Reichstages in dem provisorisch hergerichteten Gebäude der
Königlichen Porzellan Manufaktur in der Leipziger Straße 4
14.6.1871 -
Bauplatzbestimmung
Bauplatzbestimmung für des neu zu errichtende Parlamentsgebäude
durch die Baukommission - Grundstück des Raczynski-Palais auf dem
Königsplatz
Das
Raczynski-Palais
Graf Raczynski (geboren am 2.5.188) war ein Kunsthistoriker und Sammler. In
seiner Funktion als Diplomat nutze er seine Reisen um Kunstobjekte zu
sammeln, die er etwa seit 1834 in seinem Palais unter den Linden ausstellte.
Als er nach einigen Dienstjahren zurück nach Berlin kehrte, überließ ihm
Friedrich Wilhelm IV. das besagte Grundstück auf dem Königsplatz
unentgeltlich, unter der Vorgabe dort ein Haus zu bauen, in dem seine
Kunstobjekte besichtigt werden könnten - dieses wurde per Vertrag am
19.5.1847 festgehalten. Da dieses Grundstück von 1854 an Bestandteil seiner
Familienstiftung wurde, waren künftig er als auch seine Familiemitglieder
daran gehindert es zu veräußern.
20.6.1871
Graf Raczynski erfährt aus der Tagespresse, dass das neue Parlamentsgebäude auf
seinem Grundstück errichtet werden soll - er weigert sich sein Grundstück zu
veräußern.
1.9.1871
Graf Raczynski weiß nun vom Beschluss der Reichstagsbaukommission. Nur der
Kaiser könne durch Enteignung Raczynski zwingen sein Grundstück aufzugeben.
Deshalb wandte sich der Graf schriftlich mit folgen Worten an den Kaiser:
"Es möge Allerhöchst derselben gefallen, mein auf dem Königsplatz in
Berlin gelegenes Haus gegen die Expropriation allergnädigst zu schützen,
indem Eure Majestät die Beschlüsse der vorerwähnten Reichstagsbaukommission
und Allerhöchst dero Bestätigung zu versagen geruhten."
18.10.1871
Der Kaisers schrieb Staatsminister Delbrück, er möge Graf Raczynski
beruhigen und gleichzeitig Verhandlungen zu einer gütlichen Einigung
aufnehmen.
10.1871 -
Streben nach einem Enteignungsverfahren
Da die Reichstagskommission hinsichtlich des Bauplatzes unter Zeitdruck
geriet, (Vorbereitung zum Architekten-Wettbewerb und Prämierung der Entwürfe
würde
5 Monate Zeit beanspruchen) wurde der Polizeipräsident von Wurmb beauftragt,
direkt mit dem Kaiser über ein Enteignungsverfahren zu verhandeln, sollte
weiterhin keine gütliche Einigung mit dem Graf Raczynski zustande kommen.
Von Wurmb übernahm bereitwillig diese Aufgabe.
2.11.1871 -
Feststellung der Jury
In der Sitzung der Reichsbaukommission wird die Zusammensetzung der Jury zum
Architektenwettbewerb festgelegt.
Demnach setzt sich die Jury zunächst aus 17 Mitgliedern zusammen:
3 Bundesratmitglieder
8 Reichstagsmitglieder (Reichstagspräsident
und 7 Abgeordnete)
6 Architekten
Nachträglich wurden per Beschluss noch 1 Bildhauer und ein 4.
Bundesratmitglied in die Jury gewählt, die sich somit aus 19 Mitgliedern
zusammen setzte.
Des weiteren wurde festgelegt, das als Namensgebung nicht
"Parlamentsgebäude" sondern "Reichstagsgebäude" verwendet werden sollte.
Darauf folgte eine intensive Auseinandersetzung sowohl bei den
Architektenverbänden, als auch im Reichstag. Hauptstreitpunkt war die Frage
der Internationalisierung der Ausschreibung, als auch die Gewichtung der
Jury hinsichtlich der Anzahl der Architekten.
16.12.1871 -
Die Ausschreibung
Veröffentlichung der Ausschreibung durch das Reichsamt des Inneren in der
"Neuen Freien Presse" in Wien. Als Frist zur Ablieferung der Entwürfe wurde
der 15.4.1872 bestimmt.
2.5.1872 -
Die Ausstellung der Entwürfe
Eröffnung der Ausstellung der eingereichten Entwürfe.
Es gingen insgesamt 101 Entwürfe ein, wobei 30 Entwürfe von etwa 40
ausländischen Architekten eingereicht wurden.
7.6.1872 -
Bekanntgabe des Ergebnisses
Nach dem dritten Durchgang entfielen auf den Entwurf von Ludwig Bohnstedt
(1822-1885)
10 der 19 Stimmen, so dass er als Sieger bestimmt wurde.
Da die Verhandlungen (12. 1871 - 03.1872) mit Graf Raczynski weiterhin
erfolglos blieben,
wurde vom Reichstag eine neue Kommission bestimmt, die nach einem neuen
Bauplatz und ggf. einen neuen Reichstags-Wettbewerb ausschreiben sollte.
Damit war klar, dass Ludwig Bohnstedt's Entwurf niemals zur Ausführung
kommen würde.
1872/1873 -
Frage des Bauplatzes
Es gelang der Reichstagsbaukommission und dem Reichskanzler Bismarck nicht,
mit Grafen Raczynski eine einvernehmliche Lösung zufinden. Da eine
Enteignung durch den Kaiser unwahrscheinlich war, suchte man fortan nach
einem anderen geeigneten Bauplatz.
Nun wurde der Platz der Kroll-Oper ins Gespräch gebracht. Doch ziemlich
schnell sprach sich der Reichstag gegen diesen Platz aus, da er eines
Parlamentsgebäudes unwürdig war.
Des weiteren war der Weg aus der Stadt zum doch entfernten Kroll-Platz mit
allerlei Unannehmlichkeiten (Kälte, Dunkelheit, Schnee, etc.) verbunden, die
den tagenden Reichstagsabgeordneten nicht zugemutet werden könne, ja der Weg
wäre sogar lebensgefährlich.
21.8.1874 -
Tod des Grafen Raczynski
Mit dem Tod des Grafen kam neue Hoffnung auf doch noch das Grundstück
Raczynskis
in gütlicher Einigung zu erwerben, zumal zuvor alle Bemühungen einen anderen
geeigneten Bauplatz zu finden scheiterten.
Unmittelbar nach dem Tod des Grafen wurde der Staatsminister Delbrück vom
Kaiser auf deren ersuchen bevollmächtigt mit dem Sohn, Carl Eduard Nalecz
von Raczynski Verhandlungen aufzunehmen. Auch diese Verhandlungen verliefen
unerfreulich, da der Sohn, wie schon sein Vater zuvor eine Aufgabe des
Grundstücks ablehnte.
1876/1877 -
Des Kaisers Wille
Da der Kaiser mit allem Nachdruck dem Parlament den Platz der Kroll-Oper als
Bauplatz für das künftige Reichstagsgebäude aufzwängen wollte, gab es eine
nochmalige Abstimmung im Reichstag, der eine ausgiebige Debatte im Reichstag
voran ging. Auch in dieser Abstimmung sprachen sich die
Reichstagsabgeordneten erneut gegen den Platz der Kroll-Oper aus und somit
gegen den Willen des Kaisers.
15.3.1879 -
Möglichkeit zur Enteignung Raczynskis
Da zwischenzeitlich erkennbar war, das Carl Eduard Nalecz von Raczynski das
besagte Grundstück gewillt war abzugeben wurde nach einer Möglichkeit
gesucht, wie das Grundstück in das Eigentum des Deutschen Reiches übertragen
werden konnte; ein Verkauf war ja testamentarisch ausgeschlossen worden.
Nachdem man sich auf eine Summe von
1 100 000 Mark verständigte hatte, sah die Lösung so aus, dass Raczynski
enteignet werden sollte und dafür o.g. Summe als Entschädigung erhalten
sollte.
Der Reichstag lehnte in einer darauf folgenden Sitzung den Vertrag zur
Enteignung Raczynski's ab.
13.12.1881 -
Zustimmung des Reichstages zur Enteignung
Nach der Ablehnung durch den Reichstag verdeutlichte Reichskanzler Bismarck
in einer Rede vor dem Reichstag, dass es nicht zwingend erforderlich wäre,
dass das Parlament in Berlin ansässig wäre und es liege im Ermessen des
Kaiser darüber zu befinden.
Diese "Gedankenspiele" bewogen dann eine Mehrheit herbeizuführen; bei der
Abstimmung zur Annahme des Enteignungsvertrages Raczynski's.
Somit war ein passendes Grundstück für den monumentalen Bau gefunden.
Die Lage des künftigen Reichstaggebäudes lag somit vor dem Brandenburger Tor
und somit
auch vor der Stadt. Dieses entsprach der Vorstellung des Kaisers, der den
Reichstag
misswillig als Symbol für demokratisches Tun ansah.
1882 -
Erneute Ausschreibung zum Architektenwettbewerb
Ablieferungstermin der Entwürfe war der 10.6.1882. Nach Sichtung aller der
ca. 190 Entwürfe wurde Ende Juni 1882 mit 19 von 21 möglichen Stimmen der
Entwurf von dem Architekten Paul Wallot als Sieger gewählt. Ebenfalls einen
ersten Platz belegte der Entwurf von Friedrich Thiersch mit 11 Stimmen.
13.6.1883 -
Beschluss zum Bau des Reichstages
Nachdem Wallot's Entwurf den Architekten-Wettbewerb gewonnen hatte, folgten
viele Monate der Bauplan-Änderungen. Im Wesentlichen wurden bis zum Entwurf
vom 12.1883 die Anzahl der Innenhöfe von 4 auf 2 reduziert, die Anzahl der
Stufen zum Plenarsaal wurde halbiert und die Anzahl der Räumlichkeiten und
die Position der Kuppel korrigiert.
Das Bauwerk war ansonsten mit einer Vielzahl von Schmuckelementen und
Verzierungen
aus der Barockzeit versehen, die die Vereinigung der einzelnen Staaten zum
Deutschen Reich symbolisieren sollten.
Besonders modern war der fast fünfzig Meter hohe Kuppel-Entwurf, der nicht
wie seinerzeit üblich aus Stein, sondern aus einem Eisengerüst, versehen mit
Glas und Kupfer bestand.
Das Bauwerk selbst sollte auf einer Grundfläche von 137 x 97 Metern
entstehen.
Am 13.6.1883 befand der Reichstag schließlich, dass das Entwurfstadium
Grundlage für einen Etatbeschluss sei und stimmte für die Anstellung Paul
Wallot's als Architekten zum Bau des neuen Reichstagsgebäudes.
9.6.1884 -
Grundsteinlegung
Am 9.6.1884 begannen um 12 Uhr im Schloss die Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung
...
26.6.1884 -
Baumaßnahmen beginnen
Die ersten Fundamentsteine werden gelegt. Ansonsten wird der Bauplatz
vorbereitet um die bis zu ca. 260 Bauarbeiter aufnehmen zu können.
1886 -
Außenfassade
Im November 1886 ist die Art/Beschaffenheit der Fassade genehmigt und der Bau kommt gut
voran.
1887 -
Reichstagswahlen
Aus diesen Wahlen gehen die Nationalliberalen, die deutsche Reichspartei und
die Deutschkonservative als Sieger hervor.
9.3.1888 -
"Drei-Kaiser-Jahr"
Am 9. März 1988 stirbt Kaiser Wilhelm I. und auch sein Nachfolger Kaiser
Friedrich III. stirbt kurz nach dem er Thron bestiegen hat - nämlich schon
99 Tage später an Kehlkopfkrebs. Am 15. Juni 1888 wird Wilhelm II. Kaiser.
1889 -
Ausstand
Immer wieder muss die Arbeit unterbrochen werden, da die Maurer, Steinmetze,
aber auch die Zimmerleute streiken. Trotzdem ist Wallot mit dem Fortgang und
dem bereits erreichten zufrieden.
1890 -
Rücktritt des Reichskanzlers Bismarcks
Wegen sachlicher und persönlicher Differenzen wird Bismarck durch Kaiser
Wilhelm II.
am 20.3.1890 "entlassen".
1890-1891 -
Baubilanz
Die insgesamt 12 unter vertragstehenden Steinbrüche haben Probleme die
erforderlichen
Kapazitäten rechtzeitig bereitzustellen. Im April sind ca. 15 Millionen
Ziegelsteine verbaut.
Ende des Jahres wurde mit den Arbeiten am Stahlgerüst der Kuppel begonnen,
welche Ende 1891 beendet wurden. Anschließend wurde die Verglasung der
Kuppel bis Herbst 1892 fertiggestellt.
4.1893 -
Wallot und der Kaiser
Die Beziehung zwischen Kaiser Wilhelm II. und Wallot erreichte ihren
Tiefpunkt, als der Kaiser während eines Besuchs bei König Umberto in Rom im
Gespräch über Kunst, das Reichstagsgebäude als "Gipfel der
Geschmacklosigkeit" betitelte. Wallot war von dem harten Urteil von höchster
Stelle sehr enttäuscht wie auch die Öffentlichkeit daheim.
Wallot und seinem Bauwerk bekundete man ansonsten in Italien spontan Sympathien.
Die Fachwelt zeigte sich insgesamt enttäuscht von
des Kaisers Äußerung.
5.12.1894 -
Schlusssteinlegung
Vor der eigentlichen Schlusssteinlegung fanden in zahlreichen Staatskirchen
und Kathedralen Gedenkgottesdienste statt. Nach der Eröffnung der
Feierlichkeiten im Stadtschloss fuhren der Kaiser mit den wichtigen Gästen
im offenen Wagen und in Uniform der "Gardes Du Corps" in Richtung Brandenburger Tor zum Königsplatz vor dem Reichstagsgebäude. Im
wesentlichen setzten sich die Gäste aus Politiker, Militärs, Beamte und vielen Journallisten
zusammen.
Anfangs gab es für die Gäste im Reichstagsgebäude noch
Orientierungsschwierigkeiten, nicht zu letzt auch deshalb, weil Räume trotz
verschiedener Stockwerken die gleichen Raumnummern hatten.
1884-1894 -
Abschlussbilanz
Während der 10-jährigen Bauzeit wurden ca. 32,7
Millionen Ziegelsteine und aus etwa
20 Steinbrüchen ca. 30.000 Kubikmeter Sandsteinquader verbaut. Der 137 Meter lange und 103 Meter breite Bau
wird mit seiner
75 Meter hohen Kuppel fast 24 Millionen Goldmark gekostet haben.
Die Innenausstattung kostete noch mal ca. 3,2 Millionen Goldmark.
Bei den vielen Unfällen auf der Baustelle kamen während der Bauzeit 14 Arbeiter
ums Leben.
1906 -
Namentliche Abstimmung
Erstmals wird im Deutschen Reichstag namentlich abgestimmt.
13.12.1906 -
Reichstagsauflösung
Am 13.12.1906 löst der Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow den
deutschen Reichstag auf. Anlass war die Verweigerung der Mehrheit der
Abgeordneten, weitere 29 Millionen Reichsmark für den 1904 begonnenen
Kolonialkrieg in Südwestafrika zu bewilligen.
1909 -
Rücktritt des Reichskanzlers von Bülows
Nachfolger Theobald von Bethmann-Hollweg.
1914 - 1918 -
Ausbruch I. Weltkrieg
Anfang August 1914 mussten die Diplomaten den Generälen weichen ...
8.1914 - Burgfrieden
Im August 1914, unmittelbar nach Kriegsausbruch beschließt der Reichstag am
4. des Monats Einmütigkeit und Geschlossenheit. Der Kaiser fordert in einer
Ansprache an die Abgeordneten im Stadtschloss Unterstützung in dem
"aufgezwungenen Krieg".
Auszug seiner Rede im Weißensaal im Stadtschloss:
"... Hier wiederhole ich: Ich kenne keine Partei mehr, ich kenne nur
Deutsche! Zum Zeichen dessen, dass Sie fest entschlossen sind, ohne
Parteiunterschied, ohne Stammesunterschiede, ohne Konfessionsunterschied
durchzuhalten mit mir durch dick und dünn, durch Not und Tod, fordere ich
die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und mir das in die Hand zu
versprechen."
Hierbei ging es um die Bewilligung von
Kriegskrediten und der Zustimmung zu den vom Reichskanzler vorgelegten
wirtschafts- und sozialpolitischen Ermächtigungsgesetzen.
2.12.1914 - Kriegsanleihen
Am 2. Dezember 1914 bewilligte der Reichstag die zweiten Kriegsanleihen.
Lediglich Karl Liebknecht stimmte im Reichstag gegen die Bewilligung.
15.1.1916 -
Altersgrenze für Berufstätige
Die Altersgrenze für Berufstätige wird per Beschluss von 70 auf 65 Jahre
herabgesetzt.
2.12.1916 -
Vaterländischen Hilfsdienst
Der Reichstag beschließt mit den Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion
ein
"Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst". Durch dieses Gesetz wurden
alle deutschen Männer im Alter zwischen 17 und 60 Jahren zur Leistung von
Zwangsdiensten verpflichtet - das Recht auf freie Arbeitsplatzwahl war somit
aufgehoben.
1916 - DEM DEUTSCHEN VOLKE
Der Weihespruch über dem
Westportal des Reichstagsgebäudes ...
10.11.1918 - Kaiser Wilhelm II. geht ins Exil
Am Morgen des 10.11.1918 geht Kaiser Wilhelm II. nach Holland ins Exil.
9.11.1918 -
Scheidemann ruft die Republik aus / Weimarer Republik
Am 9.11.1918 tritt Philipp Scheidemann an ein Fenster der Westseite des
Reichstages
und ruft vor der dort versammelten Menschenmenge die Republik aus ...
12.11.1918
Durch den Rat der Volksbeauftragten erhalten die deutschen Frauen das aktive und
passive
Wahlrecht.
28.11.1918 - Kaiser Wilhelm II. dankt ab
In der Verzichtserklärung vom 28.11.1918 verzichtet Kaiser Wilhelm II. auf
all seine Rechte als König von Preußen und Kaiser des Deutschen Reiches.
19.1.1919 -
Wahlen der Nationalversammlung
Mit dieser Wahl wird die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt,
erstmalig dürfen auch Frauen an den Wahlen teilnehmen.
Die Parteien, die sich für die Republik einsetzen, also die
Sozialdemokraten, Zentrum und
die Demokraten erringen rund 75% der abgegeben Stimmen.
Aufgrund von Unruhen in Berlin, zog die verfassungsgebende
Versammlung nach Weimar, wo sie am 6.2.1919 die Nationalversammlung
eröffnet.
Friedrich Ebert wird zum Reichspräsidenten gewählt und Philipp Scheidemann
wird Reichskanzler.
Erst im August 1919 tagte die Nationalversammlung wieder in
Berlin.
19.2.1919 - Erste Frau spricht
vor einem deutschen Parlament
Mit Marie Juchacz spricht erstmalig eine Frau ...
1920 - Umbau
Bedingt durch das Verhältniswahlrecht erhöhte sich die Anzahl der
Abgeordneten, so dass
man sich mit dem Umbau des Reichstagsgebäudes beschäftigte. Schon jetzt fand
man die
übermäßigen Ausschmückungen aus der Kaiserzeit übertrieben.
Eine 1922 gewählte Kommission, sollte bauliche Veränderungen erarbeiten, die
zum
einen
den neuen Anforderungen (Größe Plenarsaal und Erweiterungsbau der
Bibliothek), als auch der Reduzierung der Ausschmückung, gerecht werde.
1920 - Tod
des Reichspräsidenten Ebert
Am 28.2.1925 verstirbt der Reichspräsident Friedrich Ebert - Nachfolger wird
der
kaiserliche Feldmarshall Paul von Hindenburg.
1927/1928 - Wettbewerbe Reichstagsbibliothek
Der Platzbedarf der Bücherei war deutlich höher, als seinerzeit eingeplant
und so wurde
zwecks Umsetzung eines gewünschten Erweiterungsbaus für die
Reichstagsbibliothek (Bestand ca. 260.000 Buchbände), Arbeitsräume für
Abgeordnete und Lesesäle, wurde im Sommer 1927 ein Architektenwettbewerb
durchgeführt.
Da die Fachwelt grobe Fehler bei der Ausschreibung anmahnte und die zur
Berechnung der erforderlichen Kapazitäten herangezogenen Fakten schon wieder
"überholt" waren, entschied man sich 1928 einen neuen Wettbewerb auszurufen.
Der Entwurf von den Architekten Fahrenkamp und Heinrich de Fries erhielt den
ersten Preis.
1932 -
Reichstagswahl
Bei der Reichstagswahl von 1932 wird die NSDAP stärkste Fraktion...
27.2.1933 -
Reichstagsbrand
Am 27.2.1933 abends, gegen 21.00-23.30 Uhr ging der Reichstag ...
30.1.1933 -
Hitlers "Machtergreifung"
Am 30.1.1933 wird Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg zum
Reichskanzler ernannt.
1.3.1933 -
Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat
Ursächlich in der unklaren Sicherheitslage, in der sich die Republik wähnte
wurde am 1.3.1933 die "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat"
erlassen. Mit ihr wurden zentrale Artikel der Weimarer Republik, wie die
Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Vereins- und Versammlungsrecht, sowie das
Brief- und Fernsprechgeheimnis, welches Grundrechte der Bevölkerung
darstellten, maßgeblich beschnitten oder
ganz außer Kraft gesetzt.
Mit Einschränkung des Presserechts und dem Verbot sämtlicher Zeitschriften
und Flugblätter der KPD und SPD wurden die Oppositionsparteien entscheidend
in Ihrer Möglichkeit zur Propaganda beschnitten, so dass es den
Nationalsozialisten gelang in der Wahl vom 5.3.1933, die einfache Mehrheit
(43,7%)
mit 288 Sitzen im Reichstag zu erlangen.
23.3.1933
- Ermächtigungsgesetz
In einer Sitzung des Reichstages stimmten alle Abgeordneten (außer die
der Sozialdemokarten)
dem Ermächtigungsgesetz zu.
21.9.1933 -
Schuldfrage Reichstagsbrand
Im Reichsgerichtsprozess in Leipzig wird Marinus Van der Lubbe am 23.12.1933
wegen schwerer Brandstiftung an Staatsgebäuden zum Tode verurteilt, welches
am 10.1.1934 durch Enthauptung vollstreckt wurde.
Schuldfrage: Ganz zweifelsfrei wurde der Hergang des Reichstagsbrandes nie
aufgeklärt.
Es gab immer auch die Theorie, dass die Nationalsozialisten, die von dem
Reichstagsbrand
maßgeblich profitiert haben den Brand selbst gelegt haben, um durch einen
derartigen Anschlag auf die Institution demokratischen Handelns
Unsicherheiten zu erzeugen, welches die Grundlage des eigenen geplanten
Handelns (Machtübernahme/Ermächtigungsgesetz) verbesserte.
1935 -
Reichstagsausstellung
Ausstellung der Nationalsozialisten im Reichstag:
"Die lebende Front"
1937 -
Reichstagsausstellung
Ausstellung der Nationalsozialisten im Reichstag:
"Bolschewismus ohne Maske"
1938 - Siegessäule
verschwindet vor dem Reichstag
Die Siegessäule erinnert an die preußisch-deutschen Kriege ...
1938 -
Reichstagsausstellung
Ausstellung der Nationalsozialisten im Reichstag:
"Der ewige Jude"
1941 - Bomber
über Berlin
Da die Reichshauptstadt sich zunehmend feindlichen Luftangriffen ausgesetzt
sah, wurden auf den Ecktürmen des Reichstagsgebäudes Flugabwehrgeschütze (Flak-Batterien)
in
Stellung gebracht.
1944/45 - Widerstand gegen das
NS-Regime
Das Reichstagsgebäude war schon längst nicht mehr Wirkungsstätte
demokratischer ...
4.1945 -
Kampf um Berlin
In den letzten Kriegstagen verstärkten die russischen Soldaten
Artilleriefeuer auf das Reichstagsgebäude bevor sie zur Erstürmung ansetzte.
Es ist von insgesamt rund
1 Million Geschossen zu lesen. Obwohl militärisch völlig unbedeutend hatte
es für
die russische Armee einen hohen symbolischen Wert.
30.4.1945 -
Rote Fahne auf dem Reichstag
Am 30. April hissen russische
Soldaten ...
8.5.1945 -
Kriegsende
Am 8.5.1945 muss Nazi-Deutschland die bedingungslose Kapitulation
unterzeichenen.
Der Krieg ist aus. Am 5.6.1945 übernehmen die Siegermächte USA,
Großbritannien, Frankreich und die UdSSR die uneingeschränkte
Regierungsgewalt im besiegten Deutschland.
5.1945 - Rote Armee / Kyrillische Schriftzeichen
Nach der
Eroberung des Reichstagsgebäudes durch die Rote Armee ...
8.5.1945 - NS-Regime ermordete 96
Reichstagsabgeordnete
Von 1933 bis Kriegsende 1945 wurden unter den Nationalsozialisten ...
8.1948 -
Aufräumarbeiten Reichstagsgebäude
Noch hatte man sich nicht entschieden, ob der Reichstag instandgesetzt oder
abgerissen werden sollte, während dieser Diskussion aber begannen schon ab
8.1948 die inoffiziellen Aufräumarbeiten. Bis 1957 wurde das Gebäude mehr
oder weniger vollständig enttrümmert. Die stark beschädigte Reichstagskuppel
war dabei ständige Bedrohung, da sie aufgrund ihrer Beschädigung ständig
einzustürzen drohte. Sowohl der Ringanker, als auch das tragende Mauerwerk
waren schwer beschädigt. Ausführende Arbeiten waren unter diesen Umständen
nicht verantwortbar.
9.9.1948 -
Ihr Völker der Welt ...
Während der sowjetischen Blockade
West-Berlins hält Ernst Reuter ...
1948 -
Schwarzmarkt
Bis zur Währungsreform am 2.6.1948, wo die Reichsmark durch Deutsche Mark
abgelöst wird, dient der Platz rund um das Reichstagsgebäude als
Schwarzmarktgelände.
23.5.1949 -
Bundesrepublik Deutschland
Am 23.5.1949 wird mit Verkündung des Grundgesetzes die Bundesrepublik
Deutschland offiziell gegründet.
23.5.1950 -
Zuständigkeit Reichstagsgebäude
Am 23.5.1950 wurde entschieden, dass das Reichstagsgebäude der Zuständigkeit
des Bundes unterliegt. Im Rahmen dieser Zuständigkeit wurde im Januar 1953
vom Bundesminister für Finanzen aus Bonn mitgeteilt, dass die
Reichstagskuppel gesprengt werden darf.
1954 -
Wiederaufbau?
Die politischen Parteien in Bonn diskutierten, ob und zu welchem Zwecke das
zerschossene Reichstagsgebäude wieder aufgebaut werden sollte.
Zwischenzeitlich äußerte sich Theodor Heuss für einen Aufbau.
10.1954 -
Sprengung der Reichstagskuppel
Die Sprengung der Reichstagskuppel wurde vorbereitet. Nachdem der erste
Sprengversuch am 23.101954 nicht zum Einsturz der 300 t schweren und fast 60
m hohen Stahlkonstruktion führte, war der zweite Versuch am 22.11.1954
erfolgreich.
1955 -
Beschluss zum Wiederaufbau
Im Haushaltsetat des Bundes für das 1955/56 werden Mittel in Höhe von
410.000 DM für den Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes beantragt. 60.000 DM
sollen zur Durchführung eines eingeschränkten Architektenwettbewerbs
bereitgestellt werden.
1957 -
Testaufbau-Reichstagsgebäude
Unter Federführung der Bundesbaudirektion wurde ein Teilstück ...
7.1960 -
Architektenwettbewerb
Am 1.7.1960 wurde ein eingeschränkter Architektenwettbewerb ausgeschrieben,
welcher der Architekt Baumgarten 1961 für sich entscheiden konnte.
1961 -
Umbau des Reichstagsgebäudes
Grundlage des Umbaus waren die Pläne von Paul Baumgarten. Das Gebäude wurde
schlichter gestaltet, Schmuckelemente und Dekorationen wurden entfernt,
dadurch reduzierte sich auch die Höhe der Türme. Der Umbau dauerte bis etwa
1971 und
insgesamt wurden 45.000 t Bauschutt abtransportiert.
Die Gesamtkosten waren fast fünfmal so hoch, wie vor hundert Jahren.
1971 -
Reichstagsausstellung
Ausstellung "Fragen an die deutsche Geschichte" im
Reichstagsgebäude
1971 -
Christos Idee
Unabhängig seiner künftigen Bestimmung wurde der Wiederaufbau im Jahre 1971
abgeschlossen, als Verpackungskünstler Christo erstmalig mit seiner Idee an
die Öffentlichkeit ging, das Reichstagsgebäude "zu verhüllen".
3.10.1990 -
Deutsche Einheit
Die
Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit finden vor dem Reichstag statt.
12.12.1990
Am 12. Dezember 1990 fand die 12. konstituierende Sitzung des Deutschen
Bundestages im Reichstagsgebäudes statt, es war damit nach 58 Jahren die
erste Sitzung eines gesamtdeutschen Parlaments.
20.6.1991
Entsprechend der Vereinbarung von 1949 beschließt der Bundestag am
20.6.1991,
dass Berlin Sitz der Regierung wird. Gleichzeitig wird festgelegt, dass das
Reichstagsgebäude Tagungsstätte des Bundestages wird.
Damit wurde dem Reichstagsgebäude wieder die Ehre zuteil, als Symbol für
demokratische
Politik aus dem vereinten Deutschland zu stehen.
1992 - Gedenktafeln für die 96
ermordeten Reichstagsabgeordneten
Die Bürgerinitiative "Perspektive Berlin" errichtete mit Unterstützung des
DGB ...
9.1992 -
Architektenwettbewerb zum Reichstagsumbau
1994 -
Bundespräsidentenwahl
Im Mai 1994 wird Roman Herzog im Reichstag zum Bundespräsidenten gewählt.
1995 - Reichstagsverhüllung
Lange hatten Christo und seine
Frau Jeanne-Claude ...
Quellennachweis:
- Michael S.
Cullen - Der Reichstag, die Geschichte eines Monuments
- Ralf Wollheim
- Der Reichstag Berlin
- Manfred
Görtemaker - Deutschland im 19. Jahrhundert
- Ullstein
Verlag - 750 Jahre Berlin
- Reichstag
Aspekte - Deutscher Bundestag
- Deutscher
Bundestag - Fragen an die deutsche Geschichte
- Ullstein Verlag
/ Claus Dieter Nagel - Berlin '90, Das Jahr im Rückspiegel |